Trauer um Geschwister
By Kai Sender
Wenn Ihr Kind in der Trauer um Geschwister nach dem Tod fragt, sollten Sie ihm – natürlich kindgerecht – antworten. Erklären Sie so einfach wie möglich, was genau passiert ist. Vermeiden Sie dabei unbedingt zweideutige Antworten. Häufig entwickeln Kinder selbst Angst davor zu sterben oder sorgen sich, dass nun auch die Eltern bald sterben werden. Daher sollten Sie zweideutige Sätze wie „Deine kleine Schwester ist eingeschlafen“ vermeiden. Erklären Sie dem Kind, warum Menschen sterben, wenn sie zum Beispiel sehr alt sind, einen schweren Unfall oder eine schlimme Krankheit haben.
Zusätzlich ist es wichtig, auf die Fragen Ihres Kindes geduldig und ehrlich einzugehen, um die Trauer um Geschwister besser zu bewältigen. Kinder können sehr direkte Fragen stellen, die für Erwachsene unangenehm oder schwer zu beantworten sein mögen. Lassen Sie sich Zeit und überlegen Sie, wie Sie auf eine Weise antworten können, die dem Alter und dem Verständnis Ihres Kindes gerecht wird. Offene und klare Kommunikation kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden und das Vertrauen Ihres Kindes zu stärken.
Seien Sie darauf vorbereitet, dass Ihr Kind in den Tagen oder Wochen nach dem Verlust immer wieder Fragen stellt. Dies ist ein natürlicher Prozess, da Kinder oft Zeit brauchen, um den Tod zu begreifen und die neuen Informationen zu verarbeiten. Wiederholtes Nachfragen ist kein Zeichen dafür, dass Ihr Kind Ihre Erklärungen nicht verstanden hat, sondern ein Teil seiner Trauer um Geschwister und seines Versuchs, das Geschehene zu verarbeiten.
Es ist auch hilfreich, Ihrem Kind zu zeigen, dass es in Ordnung ist, Trauer und andere Gefühle zuzulassen. Kinder nehmen sich oft ein Beispiel an den Erwachsenen in ihrem Leben, daher kann es tröstlich sein, wenn Sie Ihre eigenen Gefühle teilen und zeigen, dass es normal ist, traurig zu sein. Bieten Sie Ihrem Kind gleichzeitig Sicherheit und Unterstützung an und ermutigen Sie es, über seine Gefühle zu sprechen, wann immer es das Bedürfnis hat. Dies kann wesentlich dazu beitragen, die Trauer um Geschwister zu verarbeiten und einen gesunden Umgang mit dem Verlust zu fördern.Zeigen Sie den Geschwistern, dass es okay ist, zu trauern
Unterdrücken Sie Ihre eigene Trauer nicht. Kinder können es viel besser aushalten, wenn ihre Eltern weinen, als man oft denkt. Sie verstehen, dass auch Erwachsene traurig sein können. Gleichzeitig haben sie ein feines Gespür für Emotionen. Wenn Sie versuchen, Ihre Trauer zu unterdrücken, werden die Kinder es bemerken. Viele Kinder denken dann, Trauer sei falsch und versuchen, auch ihre eigene Trauer zu verstecken. Oder aber sie glauben, dass die Eltern gar nicht um das verlorene Kind trauern, wenn sie nie weinen, und verlieren selbst das Vertrauen in die Liebe der Eltern.
Trauer um Geschwister: Verherrlichen Sie das verstorbene Geschwisterkind nicht
„Über die Toten soll man nicht schlecht reden“, sagt schon ein altes Sprichwort. Prinzipiell ist das natürlich richtig. Selbstverständlich wollen Sie sich am liebsten an die schönen Momente mit Ihrem verstorbenen Kind erinnern. Trotzdem sollten Sie aufpassen, das Kind nicht zu verherrlichen. Insbesondere Vergleiche mit dem lebenden Kind à la „Dein Bruder konnte das aber besser.“ sollten Sie sich unbedingt verkneifen. Ihr Kind wird sonst schnell das Gefühl bekommen, mit einem Toten zu konkurrieren. Und es wird wissen, dass es diesen Konkurrenzkampf nicht gewinnen kann. Zudem brauchen die Lebenden mehr Aufmerksamkeit als die Toten, daher ist es besonders wichtig, sich für die trauernden Geschwister genügend Zeit zu nehmen, selbst wenn das in der eigenen Trauer nicht so leichtfällt.
Nehmen Sie den Geschwistern die Schuldgefühle
Nicht nur wer Kinder hat, weiß, dass alle Geschwister sich streiten. Mal mehr, mal weniger, mal laut, mal leise – Geschwister streiten sich. Wer als Erwachsener erlebt hat, dass ein Angehöriger nach einem Streit gestorben ist, der weiß, wie groß die Schuldgefühle sind, die man danach haben kann. Als Erwachsener haben Sie den Vorteil, dass Sie wissen, wie irrational diese Gefühle sind. Kinder wissen das oft nicht. Daher sollten Sie als Erwachsener ein gutes Gespür dafür entwickeln und Ihrem Kind eventuelle Schuldgefühle nehmen. Fragen Sie genau nach den Gründen des Kindes für seine Schuldgefühle, damit Sie diese mit ihm gemeinsam untersuchen und entkräften können. Nur weil man dem Bruder einmal seinen Teddy weggenommen hat, trägt man nicht die Schuld an seinem Tod.