Bestattungsarten in Deutschland
By Kai Sender
In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Bestattungsarten, die den individuellen Wünschen und Bedürfnissen von Verstorbenen und ihren Angehörigen gerecht werden sollen. Hier sind die gängigsten Bestattungsformen:
- Erdbestattung
Die traditionelle Erdbestattung ist in Deutschland die älteste und immer noch weit verbreitete Form der Bestattung. Der Verstorbene wird in einem Sarg auf einem Friedhof in einem Grab beigesetzt. Die Grabstätte kann als Einzel-, Doppel- oder Familiengrab erworben werden. Nach der Beisetzung folgt in der Regel eine Trauerfeier am Grab. Das Grab wird üblicherweise für eine bestimmte Ruhezeit, meist 15 bis 30 Jahre, vergeben und muss von den Angehörigen gepflegt werden. - Feuerbestattung
Bei der Feuerbestattung wird der Verstorbene eingeäschert, und die Asche wird in einer Urne aufbewahrt. Die Urne kann dann in einem Grab auf dem Friedhof beigesetzt oder in einer Urnenwand (Kolumbarium) verwahrt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, die Asche in einem Urnengrab, in einem Gemeinschaftsgrab oder unter bestimmten Bedingungen sogar außerhalb eines Friedhofs zu bestatten. - Seebestattung
Nach der Einäscherung kann die Asche des Verstorbenen in einer speziellen, biologisch abbaubaren Urne auf See beigesetzt werden. Diese Bestattungsform ist besonders für Menschen geeignet, die eine besondere Verbindung zum Meer hatten. In Deutschland darf die Seebestattung nur in bestimmten Gebieten außerhalb der Drei-Meilen-Zone durchgeführt werden. Eine Trauerfeier auf dem Schiff ist häufig Teil der Zeremonie. - Baumbestattung
Bei der Baumbestattung wird die Asche des Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne am Fuße eines Baumes beigesetzt. Diese Bestattungsform wird in sogenannten Friedwäldern oder Ruheforsten angeboten, die speziell dafür vorgesehen sind. Angehörige können oft einen Baum als Grabstätte auswählen, der entweder alleinstehend oder als Teil eines Gemeinschaftsbaums fungiert. - Almwiesenbestattung
Die Almwiesenbestattung ist eine spezielle Form der Naturbestattung, bei der die Asche des Verstorbenen auf einer Wiese in den Bergen verstreut oder in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt wird. Diese Bestattungsart wird in Deutschland zunehmend angeboten, insbesondere in den Alpenregionen. - Reerdigung
Die Reerdigung ist eine neue und umweltfreundliche Bestattungsart, bei der der Körper des Verstorbenen innerhalb von etwa 40 Tagen in fruchtbare Erde umgewandelt wird. Diese Methode, auch als „Humusation“ bekannt, wird in einem speziellen Verfahren durchgeführt und stellt eine nachhaltige Alternative zur herkömmlichen Erd- und Feuerbestattung dar. Bislang ist die Reerdigung in Deutschland nur in Schleswig-Holstein zugelassen. - Diamantbestattung
Zu den Bestattungsarten in Deutschland zählt auch die Diamantbestattung. Bei der Diamantbestattung wird ein kleiner Teil der Asche des Verstorbenen in einen synthetischen Diamanten umgewandelt. Dieser Diamant kann dann von den Angehörigen als Schmuckstück getragen oder als Erinnerungsstück aufbewahrt werden. Diese Bestattungsform ist in Deutschland erlaubt, jedoch nur in Kombination mit einer Feuerbestattung, bei der der Großteil der Asche weiterhin beigesetzt werden muss. - Weltraumbestattung
Ein Teil der Asche des Verstorbenen kann in einer speziellen Kapsel ins All geschossen werden. Diese Bestattungsform ist sehr ungewöhnlich und erfordert eine Feuerbestattung. Die Weltraumbestattung wird über spezialisierte Anbieter im Ausland organisiert und ist in Deutschland eine seltene, aber mögliche Option. - Ascheverstreuung
In Bremen ist die Verstreuung der Asche auf bestimmten öffentlichen Flächen oder privatem Grund erlaubt. Diese Bestattungsform ist eine Ausnahme zur sonst in Deutschland geltenden Friedhofspflicht. Dabei wird die Asche entweder in der Natur oder auf Privatgrundstücken verstreut, sofern der Verstorbene dies zu Lebzeiten gewünscht hat. - Anonyme Bestattung
Bei einer anonymen Bestattung wird der Verstorbene entweder in einem anonymen Urnen- oder Erdgrab auf einem Friedhof beigesetzt, ohne dass eine Kennzeichnung des Grabes erfolgt. Diese Form der Bestattung ist kostengünstig und ermöglicht es, dass Angehörige keine Verpflichtung zur Grabpflege haben. - Kolumbarium
In einem Kolumbarium werden Urnen mit der Asche des Verstorbenen in speziellen Nischen oder Kammern in einer Wand aufbewahrt. Diese Nischen befinden sich oft in einem Gebäude auf dem Friedhof oder in einer Kirche. Ein Kolumbarium bietet eine platzsparende und pflegeleichte Alternative zur traditionellen Grabstelle.
Die Bestattungsarten in Deutschland bieten eine breite Auswahl an Möglichkeiten, die den unterschiedlichen Wünschen und Vorstellungen der Verstorbenen und ihrer Angehörigen gerecht werden. Während traditionelle Formen wie Erd- und Feuerbestattungen immer noch weit verbreitet sind, gewinnen alternative und naturnahe Bestattungen wie die Baumbestattung, die Almwiesenbestattung und die Reerdigung zunehmend an Bedeutung. Die Wahl der Bestattungsart hängt dabei stark von den persönlichen Überzeugungen, der religiösen Ausrichtung und den ökologischen Vorstellungen der Betroffenen ab.