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Vom Nein zum Ja in der Trauer

By Kai Sender

Sie haben einen geliebten Menschen verloren: Ihren Lebenspartner, die Mutter oder Ihr Kind. Es ist ein Schock, etwas so unvorstellbar Schreckliches, wie Sie es nicht erwartet haben. Natürlich wussten Sie auch vorher, dass Menschen sterben und die Hinterbliebenen leiden. Aber jetzt haben Sie selbst die Erfahrung machen müssen und sind in ein tiefes Loch gefallen. Und jetzt beginnt er, der Weg vom Nein zum Ja in der Trauer.

In den ersten Tagen oder sogar Wochen sind Sie wahrscheinlich gar nicht dazu gekommen, Ihren Verlust zu realisieren. Sie mussten funktionieren, so viele Dinge regeln. Angefangen vom ersten Besuch beim Bestattungsinstitut bis hin zur Organisation der Trauerfeier und Beerdigung. Es war Vieles zu regeln, Schriftverkehr und Telefonate haben Sie in Anspruch genommen.

Nach dieser Zeit aber, wo jetzt der Alltag wieder eingekehrt ist, spüren Sie Ihre Gefühle, diese tiefe Niedergeschlagenheit und – lehnen es ab. Sie möchten diese Lebenssituation nicht wahrhaben, hadern mit dem Leben generell und fühlen sich auch noch von Ihren Freunden und Bekannten alleingelassen. Die Sprachlosigkeit in Ihrer Familie und in Ihrem Bekanntenkreis machen es Ihnen noch schwerer.

Sie stellen sich permanent die Frage nach dem Warum. Wenn es doch so viele schlechte Menschen gibt, die noch leben – warum musste Ihr geliebter Mensch sterben? Was ist das für eine Ungerechtigkeit Ihnen gegenüber? Wie kann sowas nur sein? Wie kann ein Gott oder das Universum so etwas zulassen?

Diese Gefühle sind so verständlich, Ihr Schmerz ist schließlich real, und sie lähmen Sie. Sie verwenden unbewusst so viel Energie darauf, Ihre Situation abzulehnen, dass für etwas anders fast keine Kraft mehr übrigbleibt. Das kann sich auch körperlich bemerkbar machen. Der Schlaf fehlt und Wörter wie Entspannung oder zur Ruhe kommen sind für Sie im Moment ohne Inhalt.

Wenn Sie Nein zu dieser Lebensphase sagen, sagen Sie damit auch zu Ihnen und Ihrem Leben Nein. Falls das so bleibt, werden Sie ernstlich krank werden können. Es ist jetzt an der Zeit, wieder zu lernen, wie Sie Ja zum Leben sagen können. Wie Sie – langsam – wieder schöne Gefühle wahrnehmen können, Freude oder sogar Glück.

Das geht nicht von heute auf morgen und bedeutet in keinem Fall, den lieben Menschen, um den Sie trauern und der Ihnen so schrecklich fehlt, zu vergessen!

Bis das Gefühl von Glück oder Freude sich einstellen, können Sie damit beginnen, sich gedanklich vorzubereiten. Fragen Sie sich, was Glück in Ihrer Situation bedeuten kann. Ist es ein Spaziergang in der Sonne, die Sie wärmt? Können Sie die Farben der Blumen sehen, können Sie an den Blüten riechen? Haben Sie Freunde, mit denen Sie reden können? Wem liegt etwas an Ihnen? Wem können Sie helfen?

Jemandem zu helfen, ist eines der beglückendsten Anliegen, das wir Menschen überhaupt haben können. Geben Sie anderen von Ihrer Erfahrung in der Trauer ab, helfen Sie ihnen, da durchzukommen. Das geht auch in einer Trauergruppe oder in einem Trauerchat.

Sie werden dadurch aktiv. Das ist eines der Geheimnisse für einen gesunden Umgang mit der Trauer: aktiv sein!